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21.01.2014, 12:54 Uhr | Frankfurter Neue Presse / Redaktion
Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen
Frankfurter Neue Presse, 21.01.2014

Ein Hoch auf die solidarische Unterstützung der Sachsenhäuser CDU. Als deren Chef Ulf Homeyer in der FNP von den jüngsten Mitgliedsstreitereien in der Sachsenhäuser SPD liest, setzt er sich sofort an seinen Schreibtisch und verfasst eine ungewöhnliche Pressemitteilung: „Wir bieten uns gerne als Vermittler an, wenn der Streit innerhalb der SPD weiter eskalieren sollte“, so Homeyer, der sich köstlich über den durch interne Querelen ausgelösten Partei-Austritt der Neu-Genossin Lydia Ishikawa amüsiert.

Ihr politisches Asyl anzubieten gehe aber dann doch einen Schritt zu weit, sagt Homeyer auf Nachfrage. Gleichwohl wolle sein Ortsverein gerne zu einer funktionierenden Opposition beitragen, erst recht „nachdem die andauernden Streitigkeiten der Sachsenhäuser SPD’ler den Ortsverein seit Jahren lähmen“.

Ob die derart verballhornten Dribbdebacher Sozialdemokraten auf das großzügige Angebot der christdemokratischen Konkurrenz eingehen, scheint indes mehr als fraglich. Schließlich zeigen sich die Sachsenhäuser Genossen bereits seit über einem Jahr außerordentlich belehrungsresistent gegenüber den Schlichtungs-Versuchen der eigenen Parteispitze. Nur mit Mühe schaffte es der neue Ortsvereins-Vorsitzende Thomas Müller, den größten sozialdemokratischen Ortsverein Frankfurts ohne nennenswerte Störgeräusche durch den zurückliegenden Landtagswahlkampf zu lotsen. Ob er bei der im März anstehenden Vorstandswahl wieder antritt, weiß Müller noch nicht.

Sollte Thomas Müller tatsächlich nicht für eine weitere Amtszeit zur Verfügung stehen, sollten sich die Sachsenhäuser Genossen vielleicht doch an Ulf Homeyer wenden. Diese Lösung hätte lediglich den Haken, dass die Mitgliedschaft in zwei Parteien auf dem politischen Parkett in der Regel nicht gut ankommt. Alt-Genosse Michael Paris, der ja auf eigene Faust in den Landtagswahlkampf 2013 zog, hat damit bereits schlechte Erfahrungen gemacht. Wie würde da erst die zeitgleiche Führung zweier sich traditionell wenig wohlgesinnter Ortsvereine bei der Basis ankommen?

Doch auch für den Fall, dass Ulf Homeyer nicht als neuer Chef der Sachsenhäuser SPD antritt, können die Genossen von den Dribbdebacher Christdemokraten noch einiges lernen: So existieren die CDU Sachsenhausen und der von Jochem Heumann geleitete CDU-Stadtbezirksverband Frankfurt-Sachsenhausen seit Jahrzehnten in friedlicher Koexistenz.

So wäre es also durchaus denkbar, dass die von einigen Altgenossen wenig geliebten Neu-Mitglieder ebenfalls ihren eigenen Ortsverband gründen. „SPD Fluglärm Frankfurt Süd“ wäre ein prägnanter Name für den neuen Ortsverband. Wie so eine Teilung funktioniert, können die Sachsenhäuser Genossen wiederum in ihrer eigenen Partei-Historie nachlesen. So spalteten sich die örtlichen Sozialdemokraten schon einmal 1955 aufgrund persönlicher Streitigkeiten und der Uneinigkeit über die Nominierung eines Bundestagsabgeordneten in die Ortsvereine Sachsenhausen-Ost und Sachsenhausen-West. Die Wiedervereinigung der beiden Ortsgruppen erfolgte erst am 3. Februar 2007.